Vorwort
Wir haben es uns nicht mit nachfolgendem Beitrag zum Ziel gemacht, darüber zu befinden, wer oder was ein guter Züchter ist. Darüber soll sich jeder seine eigenen Gedanken machen.
Vielmehr haben wir im Internet recherchiert zur Zucht, Zielen und Methdoden. Dies nicht nur auf HP´s von Züchtern. Auch in anderen Bereichen der Tierzucht haben wir Publikationen und Tipps gelesen. Für uns war wichtig, diese bereits nützlichen Inputs zu bündeln und unsere eigenen Erfahrungen und letztlich Sichtweisen mit einfließen zu lassen. Als wir versuchten bzw. begannen unterschiedliches Material zu einem informativen und sinnmachenden Bericht zusammenzufassen, merkten wir schnell, dass die gesammelten Informationen sich eigentlich mit unserem Empfinden und den eigenen Erfahrungen deckten. Wir haben somit wie in einem Puzzle eigenen Text, sowie teilweise Wortlaut und Passagen aus veröffentlichten Informationen zum Thema im Internet in einen Bericht zusammengeführt. Dabei waren fremde Ansichten oft mit unseren in Einklang zu bringen, aber das Zusammenführen der einzelnen Fragmente hat natürlich auch dazu beigetragen auch unsere eigene Sicht auf die Dinge zu hinterfragen.
Wir bedanken uns bei der Zucht "Schulschweinchen", die sehr gut dieses Thema auf ihrer HP bearbeitet hat und aus deren Bericht Passagen hier eingeflossen sind, aber auch bei Katzen- & anderen Kleintierzüchtern sowie Vereinen, die darüber Veröffentlichungen im Internet getätigt haben.
Zucht, Zuchtmethoden und Zuchtziel
Die Zucht dient der Erhaltung der Qualität einer Rasse und ihrer Vervollkommnung.
Ziel einer jeden Zucht ist es, durch Zusammenstellung geeigneter Paare (Zuchtzusammenstellung) und anschließende Auswahl (Selektion) rassetypische Merkmale zu festigen.
Ebenso dient die Zucht in heutiger Zeit auch der Arterhaltung, der in ihrem Lebensraum bedrohten Tiere.
Vollkommen außer Acht bleibt dabei zunächst, ob man nach und für den Standard eines Vereins oder für sein persönliches Ziel züchtet. Dies muss jeder Züchter für sich selbst entscheiden.

Jeder Züchter möchte seinem Zuchtziel nahe kommen, es erreichen und logisch immer dabei etwas verbessern. Das heißt, man muss sich sein Ziel definieren und sich danach entsprechende Zuchttiere gezielt aussuchen.
So wird beispielsweise versucht, die Ohren zu verbessern oder aber die Felldichte.
Farb- und rassereine Zucht ist auch ein Zuchtziel, welches erreicht werden soll und kann.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten diese Ziele zu erreichen. Oberstes Gebot und oberste Priorität sollten dabei immer das Wohl der Tiere im Allgemeinen, Gesundheit und Wesenseigenschaften sein.

Leider ist dies längst nicht immer so. Von „schwarzen Schafen" werden auch immer wieder für ein bestimmtes Zuchtziel gesundheitliche Einschränkungen in Kauf genommen. Stellvertretend seien hier die platten Nasen bei den Perserkatzen, die zu Atmungs-und Kieferproblemen führen können oder auch in unseren Augen die neu aufkommende Zucht von Nackttieren für Allergiker (bei Meerschweinchen Skinny oder Baldwin) genannt. Dabei sind Qualzuchten verboten. Leider sind vorhandene Regelungen nicht ausreichend, zu schwammig, um diesem Treiben wirklich Einhalt zu gebieten.

Meerschweinchen sind in aller Regel noch nicht so arg überzüchtet. Trotzdem oder gerade deshalb liegt hier eine besondere Verantwortung der Züchter.

Wir schreiben hier deshalb über Zucht im Allgemeinen, weil wir Menschen, die sich damit beschäftigen wollen oder den Wunsch hegen, sich auch einem solchen Hobby zu widmen, ein wenig zum Nachdenken anregen wollen.

In den letzten Jahren kristallisiert sich in der Meerschweinchenszene immer mehr heraus, dass so genannte Zuchten wie Pilze aus dem Boden schießen und über kurz oder lang nicht mehr existieren. Im Grunde genommen kann es dafür unterschiedliche Ursachen geben. Manchmal sind es ganz persönliche und schwierige Umstände, die die Züchter zur Aufgabe einer Zucht zwingen.
Andererseits sind es auch leider oft Menschen, die das Thema Zucht von Anfang an unterschätzt haben, die sich im Vorfeld zu wenig mit diesem Thema auseinander gesetzt haben und mit einer fast rosaroten Brille auf die niedlichen Meerschweinchen schauen. Klar, Meerschweinchen üben neben Zwergkaninchen, Hamstern, Katzen und Hunden eine besondere Faszination auf Menschen (besonders Kinder) in der Wahl eines Haustieres aus. Also warum nicht auch wieder zum Kind werden?

Bevor man anfängt zu züchten sollte man sich lange vorbereiten. Mehrere Zuchten ansehen, sich mit Haltungs- und Zuchtbedingungen auseinander setzen, Ausstellungen besuchen, um sich über Rasse- und Farbvielfalt zu informieren, vielleicht auch mit spezialisierten Tierärzten sprechen, Vereine kontaktieren.

Erst wenn man sich genaue Informationen eingeholt hat, kann man daran gehen zu prüfen - und das möglichst nach objektiven Fakten -, ob man überhaupt optimale Zuchtbedingungen schaffen kann. Ganz wichtig ist hier auch die Unterbringung/ Haltung der Tiere, denn danach richtet sich auch die Größe des optimalen Zuchtbestandes. Optimal im Sinne des Wohlergehens der Tiere, wohlgemerkt.

Auch sollte man sich im Klaren sein, dass züchten von Kleintieren ein Verlustgeschäft im materiellen Sinne ist, wenn man es mal rein aus der kaufmännischen Seite betrachtet. Die Verkaufspreise, decken nicht die Kosten, die man im Laufe eines Jahres für seinen Zuchtbestand aufwenden muss. Kleintierzucht macht nicht reich und das sollte jeder genau wissen und bedenken. Im Übrigen kann das auch nicht der Ansatzpunkt zum Beginn einer Zucht sein, darüber zu spekulieren, ob man damit Geld verdienen kann. Ganz wichtig ist auch, dass nicht Überlegungen der Art, wie viele Tiere verkauft werden könnten bzw. ob man überhaupt verkaufen kann, im Vordergrund stehen.

Natürlich wird man nicht alle Tiere behalten können und andererseits muss ein Züchter auch dafür sorgen Fremdblut in seine Linien zu ziehen, also Tiere zuzukaufen. Ohne Verkauf geht es also in der großen Züchtergemeinschaft dann doch nicht.

Ein nicht unwesentlicher Schritt ist die Entscheidung, welche Rasse / Farbe man züchten und was man letztlich auch verbessern möchte. Zu dieser Einsicht zu gelangen ist nicht leicht, aber eingangs erwähnte Tipps können zu nützlichem Wissen führen.

Was wir noch immer vertreten und dafür oft gescholten werden, ist der Versuch von Zuchtanfängern gleich mehrere Rassen und Farben gleichzeitig zu züchten, weil sie nun mal gefallen. Das halten wir für puren Jagd- und Sammeltrieb. Nicht mehr und nicht weniger. Zuchtanfänger sollten sich zunächst auf eine bestimmte Rasse und ein- max. zwei Farben festlegen. Nicht selten wird erst einmal darauf los vermehrt und später alle Tiere wieder abgegeben, weil es nun eine andere Rasse sein soll oder sich keine rechten Erfolge einstellen oder der Überblick verloren wird, manchmal auch weil eine Rasse/ Farbe momentan halt „in" ist. So etwas ist einfach irgendwo unseriös und hat eher etwas mit Vermehren als mit Züchten zu tun.
Das heißt aber nicht, dass man sich nach vielen Jahren der Zucht, in denen man farb- und rassereine Zucht betrieben und dort sein Zuchtziel in seiner Spezialisierung erreicht hat, nicht eine neue Herausforderung suchen kann und darf. Das eine hat mit dem anderen nichts gemein.

Nur die pure Verpaarung eines Zuchtpärchens ist einfach, hat aber mit Zucht noch nichts zu tun. Wichtig sind genetische Grundkenntnisse, auch wenn es nicht immer auswendig die Formeln sein müssen. Nur damit spart man sich unnötige Testverpaarungen und somit im Sinne des Zuchtzieles nicht gewünschten bzw. erwartungsgemäßen Nachwuchs. Man benötigt nicht viele Zuchttiere, sondern sehr gute Ausgangstiere, die dem Ziel schon sehr nahe kommen.
Nicht jedes niedliche Tier aus den vielen Angeboten im Internet ist auch dann ein wirklich gutes Ausgangstier für die Zucht.
Ganz wichtig, erkunden, welche Züchter die gewünschte Farbe/ Rasse farb- und rasserein über lange Jahre ziehen und auch mal auf ein Zuchttier länger warten, als übereilt kaufen. Außerdem sollte man sich das Objekt der Begierde am besten persönlich und vor Ort beim Züchter ansehen und dies vorher mit ihm besprechen.

Viel wird über Linienzucht gesprochen, aber was ist das eigentlich?
Es ist eine Standardmethode in der Meerschweinchenzucht. Die Linienzucht beinhaltet ein Maß an Inzucht, ohne die eine Linienzucht nicht möglich wäre.
Sie trägt dazu bei, gewisse Eigenschaften, wie Typ, Farbe, Fellqualität und andere Zuchtziele sichern. Man sollte sehr vorsichtig fremde Tiere einkreuzen, eher Schritt für Schritt, um vor unangenehmen Überraschungen bewahrt zu bleiben. So gehörte auch die Rückverpaarung z.B. Mutter / Sohn zur Linienzucht und häufig werden die Nachzuchten aus diesen Verpaarungen ausgesprochen typvoll. Das liegt daran, dass sich immer gute wie schlechte Eigenschaften durch diese Art der Verpaarung und Zucht verdoppeln bzw. potenzieren. Linienzucht wird oft auch kritisiert, aber sie bietet dem Züchter auch die Möglichkeit über solche Verpaarungen krankmachende oder unerwünschte Eigenschaften herauszufinden.
Durch Linienzucht entstehen niemals Krankheiten oder Gendefekte, sondern sie werden so zu Tage gebracht. Tiere, die Krankheiten oder Gendefekte mitbringen, gehören nicht mehr in die Zucht! Sie dürfen auch nicht mit fremden Tieren weiterverpaart werden. Zwar können deren Nachkommen optisch diese Anzeichen nicht aufweisen, aber die unerwünschten Gene tragen sie in sich versteckt und werden sie natürlich auch an ihre Nachkommen weitergeben.
Beispiel: Vielzehigkeit oder Rolllider
Tiere mit einer überflüssigen und meist nicht funktionstüchtigen Zehe geboren. Diese Vielzehigkeit stört das Tier nicht und beeinträchtigt es nicht. Es besteht nur eine Verletzungsgefahr. Aber es ist erblich! Nun soll es da auch Züchter geben, die diese überflüssige Zehe amputieren lassen und diese Tiere dann aul perfekte Zuchttiere weiterverkaufen. Der neue Besitzer (vielleicht Züchter) ahnt und weis nichts davon. Woher auch? Diese Vielzehigkeit wird in seine Zucht unwissender Weise herein getragen.
Das zweite Beispiel sind Rolllider. Auch sie sind erblich. Nur im Gegensatz zur Vielzehigkeit verursachen sie dem gerade geborenen Jungtier schmerzhafte Reizungen der Hornhaut des Auges. Klar gibt es dafür Augensalbe und nach ca. 1 Woche Behandlung ist es auch wieder weg. Wir es dem Käufer verschwiegen und er will mit diesem Tier weiter züchten, so wird er sich auch diesen genetischen Defekt in seine Linien einkreuzen.

Inzucht ohne Linienzucht ist wohl möglich, aber nicht sinnvoll. Die Folge von zu starker Inzucht sind kleinwüchsige und häufig unfruchtbare Tiere.

Wichtig und sinnvoll ist es den Inzuchtgrad seiner Linienzucht zu kennen. Der Inzuchtgrad ist die Wahrscheinlichkeit, mit der sich gewisse Gene treffen werden. Die Chance ein bestimmtes Gen von Vater oder Mutter zu bekommen, ist gleich groß mit 50% , die Wahrscheinlichkeit aber, ein Gen von den davor liegenden Generationen zu bekommen, verringert sich mit zunehmenden Generationen. Ein Inzuchtgrad von 25% bringt sehr gute Ergebnisse und vereinheitlicht das Zuchtziel. Wichtig zu wissen ist auch, dass der Inzuchtgrad bei einer Rückverpaarung von Mutter/Sohn oder Vater/Tochter höher ist als bei einer Geschwisterverpaarung.

Fremdverpaarungen sind immer spannend. Sie können solche oder solche Ergebnisse erzielen und die Zucht erheblich beeinträchtigen oder bereichern. Man sollte sich immer bewusst sein, dass jedes Elternteil 50% der Erbanlagen an die Jungtiere weitergibt. Da jeder Züchter fremde Gene benötigt, sollen sie langsam und bedacht in die eigene Zucht eingeführt werden.
Erwiesen ist, dass bekannte (in dem Sinne verwandte) Linienstämme besonders gute Zuchtleistungen und hohe Widerstandskräfte besitzen.

Wichtig ist es auch ein Zuchtbuch zu führen. Dies kann manuell oder mit Hilfe eines Programms erfolgen. Damit ermöglicht sich ein genauer Überblick über Würfe und Zucht.
Dokumentiert werden sollten Namen, Geburtdatum und Eltern, Genformel und Eigenschaften des Tieres. Vorzüge und Fehler sowie evtl. Krankheiten und das erreichte Lebensalter sind ebenfalls interessant. Würfe sollten entsprechend mit Wurfgröße, Gewichte und Geschlechte notiert werden.
Dies ist für beide Elterntiere zu notieren, also auch beim Bock, um nachvollziehen zu können, ob er ev. Fehler permanent mitvererbt haben könnte und der Bock die Geschlechterverteilung bestimmt.
Man sollte die Eintragungen einheitlich und übersichtlich gestalten, so dass man immer einen guten Überblick behält.

Bericht aktualisiert: 20.11.2005